Der erste Schritt vom Text zum (Film-)Bild

Nach Ulrike Schwab gilt:

 

„Die meisten Filmproduktionen verwenden ein „storyboard“. An dieser praktischen Nahtstelle zwischen Drehbuch und Spielfilm erfolgt die erste Umsetzung des geschriebenen Wortes in das konkrete Bild. Schlüsselszenen und bewegungsintensive Szenen werden vom Regisseur in Einstellungen aufgelöst und vom Zeichner in Abstimmung mit dem Produktionsdesigner in Skizzen festgehalten, wodurch sich bereits ein Bewegungs- und Bildrhythmus formt. Werden Photos von Schauplätzen, Darstellern und Kostümentwürfen einbezogen, kann sich die Atmosphäre des Spielfilms mit andeuten.“ (Schwab 2006: 99)

 

Demnach lässt sich das Storyboard als erste Visualisierung des fundamentalen Drehbuchtextes betrachten, die für alle Produktionsphasen, von der Vorproduktion, über die Dreharbeiten, bis hinein in die Postproduktionsphase, von erheblichem Wert ist. Denn das Storyboard kann Folgendes leisten:

 

  1. Als konkrete visuelle Darstellung der ausgearbeiteten Einstellungen und deren Folge, vermag es, gegenüber all der schriftlichen Erklärungen, ein unmittelbares und repräsentatives Bild über ein Projekt und die Vision dahinter zu vermitteln. Was schließlich von nicht zu unterschätzendem Wert bei der Suche nach Förderern ist, denn konkrete Darstellungen belegen, dass das Projekt Hand und Fuß hat.
  2. Zudem ist dem Storyboard auch eine Art Kontrollfunktion inhärent: Die Visualisierung der Einstellungsfolgen veranschaulicht, ob geplante Einstellungen und deren Folge aufeinander hinsichtlich der Kamera- und Spielachsen, Blickrichtungen, Blickwinkel, technischen Umsetzbarkeit oder der Anschlüsse überhaupt möglich sind. 
  3. Es kann auch für die individuelle Vorbereitung der Schauspieler bzw. bei der Arbeit des Regisseurs mit den Schauspielern hilfreich sein.
  4. Eine ganz erhebliche Funktion des Storyboards kommt aber vor allem auch während der Dreharbeiten zum Tragen: Es fungiert als Kommunikationsmedium und damit als Fundament für die Zusammenarbeit am Set. D.h., es vereinfacht die Verständigung zwischen den Departments über grundlegende Aspekte, wie Einstellungsgrößen, Gänge der Schauspieler, Kamerabewegungen, Kamera- und Spielachsen etc.
  5. Für die Postproduktion kann ein vollständiges Storyboard überdies als Schnittplan fungieren, was auch während der Dreharbeiten von Vorteil ist, da sofort überprüft werden kann, ob spontane, durch unerwartete Einflüsse bedingte Veränderungen an einer Einstellung im Geflecht der entsprechenden Sequenz von Einstellungen überhaupt funktionieren können bzw. sinnvoll sind.

 

 

 

Literatur:

 

Schwab, Ulrike (2006): Erzähltext und Spielfilm. Zur Ästhetik und Analyse der Filmadaption. 2006: Lit.

Tut weh, schmeckt nicht,
man kann's kaum schlucken;
schmeckt bitter, schmeckt nach Blut,
aber nach den Tränen ist der Blick klar.